Obstbäume veredeln für Anfänger

Obstbäume veredeln
Zum Obstbäume verdeln müssen Sie erstmal
Reiser schneiden - Foto: © M. Schuppich

Obstgehölze vermehren sich normalerweise schlecht generativ, das heißt durch Bestäubung. Um kräftig tragende und gesunde Obstgehölze zu erhalten, werden bereits bestehende Arten "geklont", also veredelt. Dafür wird der Teil einer Pflanze, der Edelreiser, quasi auf eine andere transplantiert.

Das Zusammenwachsen dieser zwei verschiedenen Pflanzen zu einer Neuen, nennt man Veredelung. Dank ihr gedeihen auch Obstgehölze wunderbar, die normalerweise eine andere Bodenart verlangen. Selbst Anfänger können sich an die Veredelung von Obstbäumen wagen, wenn sie keine fertig veredelten Exemplare in der Baumschule kaufen möchten oder einen bereits vorhandenen alten und schlecht tragenden Baum "verjüngen" wollen.

Tipps für die Veredelung von Obstgehölzen

Hier erklären wir Ihnen die verschiedenen Möglichkeiten der Obstbaum Veredelung:

Der richtige Zeitpunkt zum Obstbäume veredeln

Um ein Obstgehölz zu veredeln, gibt es verschiedene Techniken. Sie sind abhängig von der Jahreszeit und der Unterlage. Letztere ist der Stamm oder Ast, auf welchem veredelt wird. Entweder nehmen Sie diesen Vorgang im Sommer in Angriff, oder im Winter, also in der Vegetations- oder der Ruhezeit der Pflanze. Steht der Baum im Saft, wird die Technik des Pfropfens oder der Okulation verwendet. In der Ruhephase hingegen werden Obstgehölze durch Kopulation oder durch Geißpfropfen von Anfängern veredelt. Es gibt noch weitere Techniken, wie beispielsweise die Okulation, die jedoch mehr Erfahrung und Fingerspitzengefühl des Gärtners verlangen.

Es werden immer Pflanzen der gleichen Art oder ähnliche Gehölze miteinander veredelt. Das Veredeln sollte niemals bei Regenwetter stattfinden. Kündigt sich eine Trockenperiode an, so muss der Baum zusätzlich gewässert werden. Vermeiden Sie das Berühren der Schnittflächen mit den Fingern. Binden Sie den Bast über der Veredlungsstelle sehr straff, sparen Sie jedoch die Zugaugen aus.

Das benötigte Material

Um eine gelungene Veredelung durchzuführen, brauchen Sie spezielles Hilfsmaterial. Dazu gehört ein sterilisiertes Okulier- oder Kopuliermesser. Sie sind entsprechend der verwendeten Technik besonders geformt. Steril sollte das verwendete Messer sein, um die Übertragung von Krankheiten oder Pilzen durch die Wunden am Baum zu verhindern. Neben dem sehr scharfen Messer benötigen Sie außerdem Veredlungswachs, um die Wunden zu schließen sowie einen Bastfaden oder Gummi, um den Edelreiser recht fest auf die Unterlage zu pressen. Dies begünstigt die Chance des Anwachsens.

Edelreiser gewinnen

Edelreiser sind gesunde und kräftig entwickelte Triebe eines Obstbaums, die mindestens den Durchmesser eines Stiftes haben sollten und ca. drei bis vier Knospen tragen. Sie müssen mindestens 10 cm Länge haben. Die Triebe sollten aus dem letzten Jahr stammen. Haben Sie vor, im Frühjahr zu veredeln, so müssen Sie die Winterreiser ab Mitte November bis Ende Dezember in einer frostfreien Periode schneiden. Alle Blätter werden bis auf einen Zentimeter abgeschnitten. Der Reiser muss frostfrei bei 0 - 1 °C, dunkel und einer sehr hohen Luftfeuchte von 90% bis in das Frühjahr gelagert werden, um ein Austreiben zu verhindern. Veredeln Sie im Sommer, so schneiden Sie die Reiser nach Bedarf und verwenden sie diese sofort. Spezielle Reiserschnittgärten oder aber Baumschulen führen Edelreiser, deren Sortenzugehörigkeit genau definiert ist.

Veredelungsarten für Obstgehölze

Wie eingangs erwähnt gibt es verschiedene Veredelungsarten für Obstgehölze. Diese stellen wir hier kurz vor:

Die Kopulationsmethode

Diese ist das einfachste Veredlungsverfahren. In erster Linie wird diese Methode im späten Winter, also zwischen Februar und Anfang April durchgeführt. Edelreiser und Unterlage haben hierbei die gleiche Stärke. Mit einem scharfen Messer wird ein sehr glatter und sauberer Schrägschnitt in einem Zug jeweils an beiden Pflanzenteilen durchgeführt, so dass sie exakt plan und keilförmig aufeinander liegen, wobei mindestens am Edelreiser gegenüber der Schnittfläche ein Auge, das sogenannte Zugauge, liegen sollte. Die Schnittfläche wird dabei drei bis fünf Zentimeter lang. Anschließend sichern Sie die Wunde mit Veredlungswachs luftdicht und umwickeln sie mit Bast oder einem Gummiband, um sie zu stabilisieren. Liegen bei der Unterlage und dem Reiser zwei Augen genau gegenüber, so fördert dies das Anwachsen der Teile (Zugauge). Bei der Kopulationsmethode kann auch mit der so genannten Gegenzunge gearbeitet werden. Dafür brauchen Sie mehr Feingefühl in den Fingern, denn in die Schnittfläche wird eine zusätzliche spitze, keilförmige Kerbe eingearbeitet, so dass die beiden Pflanzenteile ineinander verhakt werden. Nach einigen Monaten müssen Sie die Neutriebe der Unterlage sowie die Neutriebe in der unteren Hälfte der Edelreiser entfernen, damit sie nicht in Konkurrenz zur neuen Kronenbildung stehen.

Die Okulation

Stehen die Pflanzen voll im Saft, also im Juli oder August, wenden Sie zum Veredeln die Okulationsmethode an. Diese ist seltener, denn hierbei wird nur ein Auge veredelt und kein ganzer Reiser. Die Knospe wächst zunächst nur an und treibt erst im darauf folgenden Jahr aus. Bei einer Okulation wird die Rinde der Unterlage in T-Form eingeschnitten, ohne dabei das Holz zu verletzen. Dem waagerechten 1 cm langen Schnitt folgt ein 3 cm langer senkrechter Schnitt. Am Reiser wird ein kräftiges gesundes Auge ausgesucht. In einem langen Zug schneiden Sie das Auge vom Holz aus, indem Sie zwei Zentimeter unter dem Auge ansetzen und ebenfalls zwei Zentimeter schräg über dem Auge herauskommen. Ein kleines Schildchen mit dem Auge darauf sollte entstanden sein. Die gelöste Rinde der Unterlage klappen Sie nun am langen Schnitt vorsichtig auf, dabei hilft ihnen der Rindenlöser am Okuliermesser. Das Auge wird so eingesetzt, dass es in der Mitte des langen Schnittes ist. Alles was über den kurzen Querschnitt hinausreicht, wird sauber abgetrennt. Nun verschließen Sie die Wunde mit Bast oder einem Gummiband und sparen dabei das Auge aus. Im Sommer wird die Schnittwunde im Gegensatz zum Winter nicht nochmals mit Veredlungswachs verschlossen.

Die Geißfußmethode

Diese Methode wenden Sie meist von Februar bis Anfang April an, sofern Sie Reiser gelagert haben. Die Unterlage im Freiland darf hierbei durchaus schon austreiben, der Reiser hingegen keinesfalls. Alternativ können Sie auch im Januar arbeiten, die Reiser frisch schneiden und einsetzen. Die Geißfußmethode ist eine Art des Pfropfens. Hierbei können unterschiedlich starke Pflanzenteile miteinander kombiniert werden. Damit dies gelingt, muss aus der Unterlage ein ca. drei bis vier Zentimeter langer Keil mit zwei sauberen Schnitten entfernt werden. Das entsprechende Gegenstück fertigen Sie aus den noch nicht ausgetriebenen Reisern. Die beiden müssen exakt ineinanderpassen und anschließend mit Wachs verschlossen bzw. mit Bast umwickelt werden. Pro 5 bis 6 cm langem Ast können durchaus drei Reiser ringsum veredelt werden, das Zugauge weist immer nach außen.

Veredeln können auch Anfänger. Hat es dennoch nicht geklappt, kann ein neuer Versuch im nächsten Jahr vielleicht erfolgreicher sein, man darf nur nicht aufgeben.
Text: C. D.

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